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DORFKOLUMNE
Fertig
luschtig
So
heissts und tönts offenbar an der eidgenössischen Glotze wöchentlich - was ich nicht zu beurteilen vermag.
Denn mir fehlt der TV-Gluscht. Und vor allem die Zeit, mir geölte
Satzschwälle zu Ohren zu führen - etwa bei ARENA und bei dem auf
den nächsten Wahltermin fixierten Wortgeklingel. Wer da jeweils die
Wahrheit zu sagen beansprucht, das vermöchte ich noch weit weniger zu
beurteilen. Und mir durch Geschwafel die Zeit stehlen zu lassen, das
liege mir noch ferner...
Immerhin
und auf unser Lyss bezogen: Was da gegenwärtig das dörfliche Politgeplauder und Stammtischgemunkel beherrscht - der Fall
(diesmal im doppelten Sinne) nämlich eines dorfbekannten Schulmeisters und
Gemeinderates - das erinnert mich ziemlich tiefgreifend an das scheints
gern beguckte "Fertig
luschtig". Obschon die ganze Affäre wohl alles andere als "luschtig"
ist. Sondern mehr als nur bedenklich, nämlich massiv Schaden
stiftend.
Heimliche
Schadenfreude (aus welchen Gründen auch immer) wäre hier ebenso billig
wie fehl am Platz. Denn der überaus peinliche Vorfall stiftet
offensichtlich Schaden - dem
Ruf der Schulmeister (und -leiter...), der Glaubwürdigkeit der ohnehin
schon überforderten Schule, der gemeinderätlichen Klein-, Gross-
und Kanalarbeit (die alles andere als Zuckerschlecken ist), der Politik überhaupt
und der betroffenen Partei vor allem. Und nicht zuletzt dem Ruf der Gemeinde Lyss.
Wer's nicht glaubt oder wahrhaben will, der höre sich im näheren oder
weiteren Seeland um...
Im
Dorfgespräch wird der heute zu lesende Zeitungstitel
"Gestrauchelter Strahlemann" bereits als "Verstrahlter
Strauchelmann" verballhornt. Das ändert (auch in vorfasnächtlicher
Zeit) nichts an der Tatsache, dass unser Dorf einen solchen (unseres
Wissens noch nie da gewesenen) Fall weder verdient hat noch dessen bedarf.
Ebenso wenig wie nachrufartig eingefärbte Lobhudelei oder Verschweigen
von Fakten in der ideologischen Ecke einer Co-politischen Küche.
Das
gastspielartig kurzzeitige Politstrahlen ist in diesen Tagen
offensichtlich erloschen. Was bleibt ist debakulös und nichts anderes
als
"Fertig luschtig".
(070111)
Nicht
repräsentativ
Doch,
doch - auch Sie kennen das selbstverständlich: Da wird in irgend einem
Blettli - literarisch gesehen ganz im Sinne Fontanes "Das ist ein weites
Feld" - vermeldet, dass in Irgendwo eine Kuh
mit übergrossen Hörnern gesichtet worden sei. Und dass sich selbige
momentan (schätzungsweise ungewollt) zum Dorfgespräch entwickelt
habe.
Erfahrungsgemäss sind es allerdings fast ausnahmslos ein paar
wenige plauderfreudige Gazetten menschlicher Gattung, die erwähntes Dorfgespräch
ausmachen - zufälligerweise einem Federfuchser auf Themensuche
begegnet. Als alles andere als repräsentativ sind mithin solche
"Dorfgespräche" einzustufen.
Genau
so wenig repräsentativ sind nun - aufgepasst mehr oder weniger geneigte
Leserinnen und Leser (weil's LeserInnen nun mal nicht gibt...) -
die nachfolgenden Worte. Die haben sich im Laufe diverser höchst unverbindlicher Gespräche
ergeben und sind in den letzten Tagen und Wochen (entgegen kommunal-aktueller Wahl-Lethargie) nach dem
Prinzip des Zufallgenerators
eingetrudelt.
Also
denn - ganz und gar nicht repräsentativ (und niedergeschrieben am Tag
vor Bekanntgabe der Resultate der Gemeindewahlen) - eine
zusammenfassende "Wahlvoraussage": Die Stimmbeteiligung wird
ziemlich tiefer liegen als vor vier Jahren und möglicherweise etwa
so um 37 Prozent herum plampen. Und die FDP wird wohl (weil's vor
vier Jahren ein mehr als nur knappes Restmandat war und niemand
damit gerechnet oder dies gar gewollt hat) auf
ihren vierten
Gemeinderatssitz verzichten müssen/dürfen/können.
Noch nie vorher hatte
diese oder eine andere Lysser Partei übrigens
eine (so oder so politisch ungesunde) Mehrheit im Gemeinderat - und mit diesem Sitzverlust wird einzig
und allein eine ganz und gar unnatürliche Situation bereinigt werden
(an der überhaupt niemand Freude hatte - abgesehen von den
Schadenfreudigen dies- und jenseits des Lyssbachs).
Gewinnen
könnte oben erwähnten Sitz (immer noch im Sinne der nicht repräsentativen
Zusammenfassung) die SP oder die listenverbundene
EVP. Einen einzigen
Gemeinderatssitz dürfte (wahrscheinlich) wieder die SVP einfahren -
trotz vorangegangener Plakatflut. Womit dann der Gemeinderat
einigermassen möglicherweise am ehesten (siehe mehrmals oben) etwa 3
FDP-, 3 SP- und 1 SVP-Vertreter aufwiese.
Dass
sich bei der Wahl des Grossen Gemeinderates erfahrungsgemäss Sitzzahlen weit
beweglicher wandeln, wird sich (diesmal ganz sicher...) zeigen. Zu
erwarten sind wohl (gemäss nicht repräsentativer Gesprächsstimmung)
etwas mehr (vielleicht 2-3) Sitze für die SVP
zulasten mehrerer
nicht-sozialdemokratischer Parteien. Und als neckische Garnitur dazu
allenfalls ein paar kleinere
Auf-Ab-Zufallsrutsche. Aber auch dies eben
und alles in allem: ganz und gar nicht repräsentativ. Und gemäss
Redensart "Hinterher ist man immer gescheiter"...
(051126/Samstag
13.54 Uhr)
(Die
rot markierten Textstellen sind nach der Wahl zur Tatsache geworden /
051215)
Farbenzaubereien
Farbenprächtig
sind sie vor wenigen Tagen noch gewesen - die Laubbäume im Dorf. Und
farbenprächtig präsentieren sich jetzt und seit Tagen (zeitlich
einigermassen überlappend mit den Laubbäumen) die diversen
Wahlplakate. Doch beiden ist das gleiche Schicksal beschieden: Es fällt
(wie einstmals im Lied) das Laub von den Bäumen. Und der spreizbeinige
Plakatständer dem Plakatierer vorerst in die Hände und dann zum Opfer.
Mit
einiger, den Bürger intellektuell fordernder Verunsicherungspotenz
allerdings. Denn Schwarz ist nicht mehr schwarz, grün nicht mehr grün
und... Doch schauen Sie selbst: Aus dem altüberlieferten Sattgrün (das
giftigere Grün hat schon vor der Montage erwähnter Stelzbeiner den
Geist aufgegeben, respektive bastelt zu dritt immer noch an
Konzeptstudien, Leitbildern und Sonstigem). Aus erwähntem Wald- und
Wiesensattgrün also hat sich über (Wahl)nacht dominantes Dunkelblau
entwickelt. Die traditonsgemäss Blauen haben wohl darum ihre Stammfarbe
verloren und kommen nun im reinsten Weiss (der Unschuld) daher, während
die Roten halbwegs ins Grüne mutiert haben. Und listenverbinden sich
umgekehrt mit den Gelben, die wiederum vom Violetten ins Gelb verfärbt
sind und die einstmals original Gelborangen...
Kurz
und gut: Des alten Geheimrat Goethes Farbenlehre ist parteipolitisch
rundum durcheinander geraten wie noch kaum je hierzulande. Drum sehe
sich vor, wer Farben noch einigermassen zu unterscheiden vermag.
Ansonsten träte allenfalls ebenso unerwartet wie überraschend der Fall
ein, dass in diesem regenbogenfarbigen Wahlangebot die eine Bürgerin
sich grün oder gelb ärgert, ein zweiter Bürger alles ausschliesslich
rot oder schwarz sieht und ein dritter (egal welchen Geschlechts) am
Montag nach dem sich drohend nähernden Wahltermin sich blau zu feiern
gezwungen sieht. Oder sich (wahlweise) wegen der reihenweise
auftretenden Gemeindedefizite und kommunalroter Zahlen gar graue Haare
einhandelt.
(051119)
«Wir
planen voraus»
liest
der aufmerksame Dorfbewohner seit geraumer Zeit auf einem Fahrzeug der
kommunalen Bauabteilung: Von weitem lesbar auf der Wagentüre
aufgepinselt und wohl als PR-Massnahme (oder Selbstqualifikation)
gedacht. Damit jeder Lesekundige
ein für allemal weiss, dass in dieser Gemeindeabteilung im
"voraus" und nicht etwa "hinterher" geplant wird.
Nur: Man
kann ja schliesslich auch "hinterher" planen - beispielsweise, wenn etwas "verplant" und mithin einiges
Geschirr schon den diesesfalls kostspieligen Weg alles Irdischen
gegangen ist. Aber verdiente solchiges als glaubwürdige (und
damit nachhaltig kostensparende) "Planung" im eigentlichen Sinne bezeichnet zu werden? Weiss
der Himmel, welche Sprachverwirrung da öffentlich ersichtlich wieder um sich
greift.
Plant
Herr Müller seine Ferien, dann tut er das selbstverständlich zum
voraus. Plant Frau Meier die Hochzeitsfeier ihrer Tochter, dann tut sie
das selbstverständlich zum voraus. Und plant ein Jugendlicher seine
Discoparty in der heimischen Garage, dann tut er das selbstverständlich
zum voraus. Einleuchtend und selbstverständlich also: Planen bedeutet
an sich schon "zum voraus" - sonst ist's eben etwas ziemlich anderes als
Planen.
Aber
man kennt das ja allmählich: In unserer Sprachwelt tummelt sich so
einges Verschrobenes.
So galoppieren ja auch weisse Schimmel und schwarze Rappen (wie jeder
Viertklässler lernt), gibt es
runde Kreise und viereckige Rechtecke - ganz abgesehen einmal vom
kleinen Häuschen mit der neu renovierten Wohnung.
Dies
alles aber ist in "keinster" Weise (kein heisst alllerdings schon
null und nichts...) weltbewegend, fürwahr. Aber genau so falsch und
lächerlich wie etwa die Behauptung, 2 + 3 ergebe neuerdings 7...
(051117)
Wahlgeplauder+Wortgeklingel Es
stimmt schon: Weiterbildung mittels Lektüre ist anstrengend - besonders wenn
man dabei denkt. Behaupte da beim Propheten Marx niemand etwas anderes! Besonders wenn es
sich um Wahlprospekte (die korrigierten selbstverständlich...) handelt
wie in diesen Tagen. Obwohl das eigene, richtungsweisend schwerwiegende
Wahlcouvert (wie sagen Politiker von links bis rechts aussen?: "Die
Richtung stimmt"...) längst schon dem Briefkastenschlitz des
Gemeindehauses anvertraut worden ist. Es gluschtet einen halt doch, ein
Auge (eins reicht bei weitem...) in die berauschend farbige, hingegen
eher minder wortgewaltige Papierflut der nahenden Gemeindewahlen zu
werfen. Bzw.
zu riskieren, denn mit einem nicht unerheblichen Verwirrfaktor ist
solches Tun zum vornherein behaftet. Besonders, wenn man sich vor dem
geistigen Augen hält, wie's in den letzten vier Jahren in unserer
Dorfpolitik so her und zu und sonst noch pendelte. Beim hochkantig
versenkten Marktplatzprojekt z.B. (von SP und EVP damals ebenso
einstimmig wie wärmstens und finanziell aufwendig empfohlen...). Und
damit das letzte Gemeindedefizit noch um 1,4 Millionen weiter
himmelwärts auf über4 Millionen getrieben worden wäre.
Möglicherweise jagen die Parteien jetzt genau deshalb listenverbunden
hinter Wählerstimmen her - man kann ja nie wissen (oder weiss es
trotzdem). Unendlich
weit verwirrender als die inhaltlich risikolos austauschbaren
Texte der Wahlprospekte indessen wirkte dieser Tage der Dorfrundgang
einer lokalregional tätigen Sporad-Journalistin mit den zwei
führenden SP-Köpfen/innen. Wurde da doch (Zitat) von den beiden SPlern
ein für allemal festgehalten: «Damit sich Lyss weiterhin sozial und
fortschrittlich entwickelt, braucht es deshalb einen
Kurswechsel». Ganz
und gar einverstanden: sozial und fortschrittlich war (und ist) unser
Dorf erfreulicherweise seit Jahrzehnten - und das erst noch
ununterbrochen unter (man lese und staune mal zünftig) bürgerlicher
Mehrheit. Was also soll denn nun plötzlich ein «Kurswechsel» nach dem
ideologischen Geschmack der SP-Oberen? Einen Kurswechsel etwa ins
Gegenteil: zu unsozial und rückständig? Das allerdings wäre alles
andere als lysserisch... Oder gar zu sozialistisch und - ja was denn
eigentlich noch bei diesem unausgegoren verfärbten Wahl- und
Wortgeklingel? Aber
eben: Sprache ist halt immer noch Ausdruck des Inhalts... (051103) |